Ein Punan-Vuhang Dorf Borneo (Sarawak / Kalimantan).

Dieses kleine Dorf im „Herzen von Borneo“ liegt weitab jeder Touristenströme und kann auch nicht ohne größere Anstrengungen besucht werden, es sei denn, man kennt die Dorfbewohner. Es gibt nämlich keinerlei öffentliche Transportmittel, man erreicht dieses Dorf nur mittels Allrad-Geländewagen und ist dabei ca. 30 Stunden Reise von der nächsten Großstadt entfernt. Noch vor Jahren stellten sich die Bewohner mir als „Penan“ vor, was ich zunächst auch glaubte, jedoch kenne ich die Sprache der Penan, welche am Oberlauf des Baram leben, sehr gut und wurde immer skeptischer denn die Sprache in diesem Dorf ist eine völlig andere. Nach einigen Gesprächen fand ich heraus, dass die Dorfbewohner den Punan-Vuhang angehören, deren Sprache nur in drei kleinen Dörfern gesprochen wird und sich von denen der Baram-Penan unterscheidet. Manchmal sind es nur kleine Unterschiede in der Sprache, z.B. bezeichnen die Baram-Penan den Furchenhornvogel (Rhyticeros undulatus) als Metui, die Punan-Vuhang dagegen nennen diesen majestätischen Vogel Matui oder Matui pussa. Größere Unterschiede gibt es z.B. bei der Bezeichnung der Blasrohre, welche die Penan und Punan zur Jagd verwenden. Die Baram-Penan nennen diese überlebenswichtige Waffe Keleput, während die Punan-Vuhang denselben Gegenstand als Upit bezeichnen; das Jagen mit der Upit heisst „mupit“. Heutzutage jagen nur noch wenige alte Männer auf die traditionelle Art und Weise, da ist diese Jagd doch sehr mühsam ist und mehrere Tage in Anspruch nehmen kann. Zum Erfolg führt dabei vor allem ein gutes Auge, Geduld und ruhiges Verhalten im Wald. Oft verfolgt ein Jäger seine Beute über mehrere Stunden, um diese in einem richtigen Moment mit einem Blasrohrpfeil (Punan-Vuhang: takgeh) zu erlegen. Das Gift auf dem Pfeil (Punan-Vuhang: takjem) wirkt innerhalb der ersten 20 – 30 Minuten. Nach dem Eindringen des Pfeils in den Körper des Opfers entfernen die meisten Tiere diesen Pfeil mit den Hinterbeinen (Gibbons; Punan-Vuhang: kelavet mongo) oder Vorderbeinen (Makaken; Punan-Vuhang: kuyat).  Hier zeigt sich die wahre Kunst der Pfeilherstellung, denn diese Pfeile werden eingekerbt, um bei der kleinsten Berührung abzubrechen, wodurch die Spitze mit dem Gift weiterhin im Opfer verbleibt.


 

Holzfällerstraßen durchziehen das Heimatgebiet der Punan-Vuhang, somit können diese mittlerweile auch zu anderen Dörfern reisen. Dies ist natürlich nur mit Offroad-Fahrzeugen möglich. Die Moderne hat also auch in diesen kleinen Dörfern, fernab jeder Großstadt, Einzug gehalten. So gilt ein künstlich verlängertes Ohrläppchen mittlerweile nicht mehr als schön, da man damit direkt seine Herkunft preisgeben würde. Die Penan als auch die Punan inklusive der Untergruppen beider Stämme gelten als rangniedere Stämme in Borneo, denn diese ehemaligen Waldnormaden waren ja nicht in der Lage, mit den florierenden Langhäusern der Iban zu konkurrieren. Als Krieger jedoch waren die Penan und Punan gefürchtet, denn sie waren im Wald zuhause, kannten sich bestens aus, und waren mit ihrem Blasrohr lautlos und effektiv. Somit vermieden die Iban auch die Oberläufe der großen Flüsse, denn das war „Orang Ulu“ Gebiet (Punan, Penan, Kenyah, Kayan uvm.). Auch die traditionellen Tätowierungen gehen langsam verloren; nicht nur die Motive, sondern auch deren Bedeutung. Nur noch alte stolze Männer, die sich ihrer Wurzeln nicht schämen, tragen noch heute diesen Hautschmuck. Traditionell wurden die Tätowierungen mittels eines Palmenstachels und verbranntem Baumharz (Punan-Vuhang: tekuli) in die Haut eingebracht. Ich mache mir gerade zur Aufgabe, viele Elemente dieser Kultur aufzuschreiben, um diese für die zukünftigen Punan-Vuhang zu erhalten, damit auch diese Menschen mit Stolz behaupten können „wir sind Punan-Vuhang“.


Punan-Vuhang, Man – vom hulu Balui in Borneo

Name: Pai Tihan
Geboren: ~1944 (vielleicht auch wenige Jahre früher)
Geschlecht: ♂️
Ehefrau: starb vor ca. 40 Jahren
Anzahl Kinder: zwölf, fünf davon sind noch am Leben


Punan-Vuhang, Frau – vom hulu Balui in Borneo

Name: Uing pai
Geboren: ~1962
Geschlecht: ♀️
Verwandtschaft: erste Tochter von Pai Tihan
Eheman: Lawi Ngidan
Anzahl Kinder: Neun, drei davon sind noch am Leben. Sechs Ihrer neun Kinder starben im Alter von unter einem Jahr. Als Todesursache gelten hier Fieber und Infektionen.

Die Hände sind eingefärbt durch das Färben (Punan-Vuhang: tanok palit) von Rattan.